Leseforum Schweiz. Literalität in Forschung und Praxis

Serielles Erzählen

Serielles Erzählen findet sich in vielen Kunstformen, in medial mündlichen, schriftlichen und visuellen Kontexten. Es fungiert seit der Antike als Gestaltungsprinzip von Narrationen – vom Pergamonfries über die «Geschichten aus Tausendundeiner Nacht», das «Decamerone» oder «Micky Mouse» bis zu Kino-Blockbustern wie «Star Wars» oder HBO-Bestsellern wie «Game of Thrones». Wer das gigantische Angebot an Buchreihen und Serien im Fernsehen und auf Streaming-Plattformen anschaut, muss zum Schluss kommen, dass der Mensch ein homo serialis ist – und das von Kindesbeinen an – und die boomenden Serien, die über audiovisuelle Kanälen vertrieben werden, zu einer neuen globalen Abonnementsökonomie führen.

  • Herausfordernde Sprachhandlungen wie Berichten, Erzählen, Erklären oder Argumentieren sind für erfolgreiches schulisches Lernen in allen Fächern von hoher Relevanz. In Abhängigkeit von ihren familiären Erwerbskontexten sind junge Kinder beim Eintritt in den Kindergarten aber unterschiedlich vertraut mit solchen «mündlichen Texten». Damit wird die Erwerbsunterstützung mündlicher Textfähigkeiten durch die Kindergarten-Lehrperson zu einem Schlüsselfaktor für die Nutzung schulischer Bildungsangebote. Wie aktuelle Studien zeigen, ist der Anteil herausfordernder Sprachhandlungen in pädagogischen Einrichtungen ausbaufähig, lässt sich das erwerbsunterstützende Handeln der Fachpersonen optimieren und wirkt sich ein optimiertes Handeln der Fachpersonen günstig auf das sprachliche Lernen der Kinder aus. Bisher fehlen aber Studien, die diese Wirkung im Hinblick auf mündliche Textfähigkeiten und methodisch robust untersuchen.
    Die geplante Interventionsstudie «Erwerbsunterstützung mündlicher Textfähigkeiten im Kindergarten» (EmTiK) soll zur Schliessung dieser Forschungslücke beitragen. Dazu sind neue Instrumente zur Einschätzung des erwerbsunterstützenden Lehrpersonenhandelns und der mündlichen Textfähigkeiten der Kinder notwendig. Im vorliegenden Beitrag werden zunächst die Grundlagen und Ziele der geplanten Interventionsstudie skizziert. Danach wird die Entwicklung des Instruments zur Einschätzung der mündlichen Textfähigkeiten bei den Kindern fokussiert: Es geht um seine theoretische Konzeption, das Vorgehen bei der Erhebung, Aufbereitung und Einschätzung der Daten und die Ergebnisse seiner Erprobung (bei N = 109 Kindern). Abschliessend werden inhaltliche Erträge dieser Instrumententwicklung und methodische Herausforderungen im Hinblick auf die Hauptstudie diskutiert.

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  • An einer zweisprachige Tagung an der HEP-PH-Freiburg/Fribourg sind rund fünfzig Didaktiker*innen und Sprachwissenschafter*innen der Frage nach der Bedeutung von Textsorten/Textgenres im Sprachunterricht nachgegangen. Die Bedeutung des Textgenres als Kommunikate zur Entwicklung von kontextualisierten Lese- und Schreibkompetenzen und die Bedeutung von Schreiben und Lesen als kulturelle Praxis für das Lehren und Lernen wurden hervorgehoben. Textgenres wurden wegen ihrer sprachenübergreifenden Eigenschaften nicht zuletzt als Gegenstand für einen sprachenvergleichenden Unterricht identifiziert. Die sozio-historische Konstruktion von Textgenres und deren sprachwissenschaftliche, didaktische  wie auch schulische Verortung in den beiden Sprachräumen wurden von verschiedenen Seiten beleuchtet.

    Zweisprachiger Artikel: Deutsch / Französisch

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