Leseforum Schweiz. Literalität in Forschung und Praxis


Zukunft Bibliothek

Bibliotheken stehen angesichts der zunehmenden Digitalisierung, Individualisierung und der sozialen Veränderungen in unserer Gesellschaft vor grossen Herausforderungen. Warum soll man noch in die Bibliothek gehen, wenn man Bücher auf den E-Reader laden kann? Wieso braucht es noch physische Bibliotheksräume, wenn man Bibliotheksangebote nutzen kann, ohne eine Bibliothek real betreten zu müssen? Wie gelingt es, junge Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen?

  • Early Literacy – die Literacy vor der Schule – ist im englischen Sprachraum ein Konstrukt, das in Curricula für das Vorschulalter einen wichtigen Raum einnimmt. Entsprechend gibt es dort zahlreiche Kompetenzbeschreibungen zur Early Literacy, die sich teilweise stark von Anregungen und Vorgaben in Bildungs- und Orientierungsplänen für das Vorschulalter im deutschsprachigen Raum unterscheiden. Dies ist Ausdruck unterschiedlicher Bildungsverständnisse für diese Altersgruppe: auf der einen Seite an Selbstbildung, auf der anderen Seite an einem Curriculum orientiert (vgl. Drieschner 2010). In einer Feldstudie wurden Beobachtungen zu Schriftpraktiken im häuslichen Umfeld von einem Jungen im Alter von 3,3 – 6,6 Jahren gesammelt und im Sinne der adaptive theory nach Layder (1998) ausgewertet. An dieser Studie wird sichtbar, dass Selbstbildung im Hinblick auf die Early Literacy möglich ist, sie jedoch eines Umfeldes bedarf, in dem Kinder sich aktiv mit Schrift auseinandersetzen können. Entsprechend ist es Aufgabe vorschulischer Bildungseinrichtungen, allen Kindern – unabhängig von ihrem sozio-kulturellen Hintergrund – Erfahrungen im Bereich der Schriftkultur zu ermöglichen und zu fördern.

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  • Angesichts von Internet und Social Media stehen die Bibliotheken vor neuen und grossen Herausforderungen. Bisherige Tätigkeiten wie Medien aufstellen und ausleihen verlieren an Bedeutung, während kompetente Beratung, Sprachförderung und die Vermittlung von Medienkompetenz immer wichtiger werden. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, müssen Bibliotheken radikal umdenken, ihre Räume anders einrichten und sich neu organisieren. Die GGG Stadtbibliothek Basel hat mit dem Um- und Ausbau ihrer Hauptbibliothek Schmiedenhof die Gelegenheit bekommen, diesen Schritt zu tätigen. An ihrem Beispiel lässt sich aufzeigen, welchen neuen Ansprüchen Bibliotheken gegenüber stehen, und wie diese konzeptuell, räumlich, organisatorisch sowie nicht zuletzt auch politisch umgesetzt werden können. Für die höchst unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen braucht es auch jeweils massgeschneiderte Angebote, wie sich am Beispiel der Jugendarbeit der GGG Stadtbibliothek illustrieren lässt.

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